Andacht

Jesus stand auf

Kleine Andacht anstelle einer Ostermorgen-Kurzpredigt

Auferstehung… was schwingt da alles mit? Ostern, Frühling, Neuanfang… Was alles steckt schon allein im Wort “Aufstehen“ allein? Aufstand, Stehen, wieder Aufstehen…

Ein Aufstand gegen manches lohnt nicht, zum Beispiel gegen eine Pandemie: Da helfen nur andere Mittel und Wege, deren wir viele kennengelernt und schmerzlich akzeptieren mussten… aber danach (hoffentlich gibt es bald ein „danach“) heißt es wieder aufstehen. 

Aber gibt es nach dem Tod ein „weiter“…? Diese Behauptung kam mit Jesus (verstärkt) in die Welt. Und die ersten Christen versuchten, die Bedeutung dieses Ereignisses vorsichtig zu ertasten, indem sie auch das Leben und Wirken des Jesus von Nazareth einbeziehen und neu reflektieren. Sie deuten es aus der Sicht von Ostern. 

„Jesus stand auf…“ lautet ein Lied von Siegfried Macht, welches wir jährlich in der Kinderkirche und am Ostermorgen seit Jahren singen. Und es reflektiert diesen irdischen Jesus in seinen Taten. Da zeichnet sich Auferstehung bereits ab. „Jesus stand auf, wo man zu Gericht saß…“ lautet die erste Zeile. Wo Menschen über andere richten, schaltet er sich ein und plädiert für die Vergebung, zum Beispiel bei der Frau, welche die Ehe gebrochen hat und anschließend nach damaliger Rechtsprechung  gesteinigt werden soll (Johannes 8). Oder an anderer Stelle: „Richtet nicht auf, dass ihr nicht gerichtet werdet“ (Matthäus 7,1). 

Dann fährt das Lied, welches auf die alte Melodie eines Spirituals erklingt, fort mit: „Jesus stand auf… der Seite der Schwachen“. Er macht sich für die Kinder stark, die aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen  werden sollen und nicht genügend ernst genommen werden (Markus 10/13-16). Man kann sagen, es sind Zeiterscheinungen – aber manches gibt es auch heute, wo Kinder zu kurz kommen. 

Dann steht Jesus „auf dem Standpunkt Gottes“: Einen Standpunkt haben  ist wichtig und nicht das Fähnchen jeweils nach dem Winde zu hängen. Und es ist nicht irgendein Standpunkt… Jesus ist hier der geglaubte Gottessohn, dies ist die Form, in der damals seine Nähe zu Gott ausgedrückt wird und  er als sein Vertreter hier auf Erden gilt. Aber deshalb steht er „auf der Abschussliste“… damals und heute überall dort, wo Menschen abgeschrieben und aufgegeben werden. Weiter steht Jesus auf dem „Boden der Liebe“ … sein oberstes Handlungskriterium ist die Liebe zu den Menschen, ihnen glaubhaft zu vermitteln dass Gott ein liebender Vater ist (Lukas 15/11ff) für jeden, der das wünscht. Und „Jesus stand auf, als der Sturm sich legte“ (Markus 4/35ff), damals im Boot und heute wenn der Sturm der Seuche vorbei ist. Die Geschichte vom Sturm will bezeugen, dass er für unsere Ängste zuständig ist, scheinbar schläft, wenn wir in großer Angst und allein sind… aber uns zum Glauben einlädt dass es ein „danach“ gibt. Daran erinnert uns auch die Jahreslosung: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (Markus 9/24).

Schließlich zuletzt: „Jesus stand auf von den Totgesagten…“. Gottes großes „NEIN“ zur Sinnlosigkeit und Endgültigkeit des Todes wird in ihm Gestalt, indem er ihn aus dem Tod befreit. Das ist es, was wir auch für uns und all unsere Lieben hoffen. 

Ein ganz kleines Elfenbeinrelief um das Jahr 400 deutet die Auferstehung anhand der verschiedenen Personengruppen, die mit Jesus zu tun haben in seinen letzten Stunden: Da sind die Wächter am Grab, die nicht wahrnehmen, was hier eigentlich vor sich geht, blind sind oder schlafen. Da spricht ein junger Mann zu den Frauen „Wen sucht ihr“? Es spricht manches dafür, dass es sich dabei um Petrus gehandelt haben könnte. Aus dem Grab wächst ein Baum hervor,  Zeichen für neues Leben. Die Himmelfahrt wird so dargestellt, dass manche dafür blind sind, aber andere sehenden Auges. Möge es uns doch vergönnt sein, zu der Personengruppe zu gehören, die wir uns wünschen.

Prädikantin Bettina Baumgärtel, Panitzsch